Besondere Momente in Berlin || Special Moments in Berlin

Berlin, June 2021 (2)

Besondere Momente in Berlin

Ein Kreis schließt sich mit Mittagessen und einem Frappuccino 😉

Dieser Beitrag hat sich etwas verzögert, aber so ist das manchmal – es kam einfach das Leben dazwischen und verlangsamte den letzten Schliff des Textes. Vor etwa drei Wochen fuhr ich im Urlaub nach Berlin. Ich hatte schon Heimweh gehabt nach dieser Stadt, in der ich so viele Jahre verbracht habe. (Und ich freue mich drauf, nächstes Jahr dorthin zurückzuziehen.) Es war so schön und wertvoll, gute Freunde in Person zu sehen und sich auszutauschen. Glücklicherweise spielte das Wetter mit und ermöglichte Corona-konforme Treffen im Freien.

Inline-skaten am TH FeldBerlin ist für mich ein ziemlich emotional besetzter Ort. Einer der wenigen Orte, an denen ich mich als Erwachsene zu Hause gefühlt habe, aber auch der Ort, an dem ich mich verloren habe. So viele Stellen und Aktivtäten in dieser Stadt erinnern mich an die Zeit mit der Anorexie. (Genau genommen werde ich sowieso oft durch Kleinigkeiten daran erinnert, egal, wo ich bin – aber in Berlin fühlen sich die Erinnerungen besonders intensiv und bedeutsam an.) Wenn ich auf meinen Standard-Strecken inlineskaten gehe, werde ich automatisch zurückversetzt in die Zeit, als ich mich dazu zwang, auf ebendiesen Wegen zu skaten, obwohl mein ganzer Körper gegen die Anstrengung rebellierte. Wenn ich an bestimmten Stellen in der Stadt vorbeikomme, denke ich daran, wie ich mich zum Lernen oder Arbeiten dort hinsetzte, mit meinem Laptop oder Büchern oder ausgedruckten Papieren, nur um nicht zu Hause zu sein – wo die „Gefahr“ höher war, dass ich womöglich etwas essen würde. Selbst bei Dingen, die jetzt ganz anders sind als damals, stellt mein Denken eine Verbindung her. Als ich mich beispielsweise mit einer Freundin abends zum Essen traf (auch draußen natürlich), war mir durch und durch bewusst, dass ich mich damals im Leben nicht darauf eingelassen hätte. Was es umso besonderer machte. Und es war richtig schön. Es fühlt sich komisch an, all diese Erinnerungen wahrzunehmen. Mir bewusst zu sein, was damals so lange Zeit Realität war und es nun nicht mehr ist. Ich weiß diese Erinnerungen jetzt zu würdigen und wertschätze sie sogar. Sie verbinden mich mit meiner Geschichte und erinnern mich ständig daran, was mit unserem Gott, der Wunder tut, möglich ist. Aber manchmal führen sie auch dazu, dass ich mich etwas einsam fühle. Weil so viele alltägliche Momente für mich etwas Besonderes, Wunderbares und Staunenswertes an sich haben, das ich selten teile.

Am Hauptbahnhof Daher will ich jetzt kurz einen solchen alltäglichen, aber besonderen Moment hier teilen, ein Augenblick, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einander auf eine besondere Art berührten. Vor meiner Abfahrt aus Berlin hatte ich wegen Bahnschwierigkeiten zusätzliche Zeit am Hauptbahnhof. Also holte ich mir einen Starbucks Coffee Frappuccino und setzte mich auf der anderen Seite der Spree am Flussufer unter einen Baum. Mir war deutlich bewusst, wie oben beschrieben, dass es fast genau eine der Stellen war, wo ich mich damals auf der Höhe der Magersucht manchmal zum Lernen hinsetzte, um ja weg von zu Hause zu sein… weg von „gefährlichem“ Essen. Wieder an dieser Stelle zu sein, wieder mit einem Frappuccino, wie damals zur Zeit der Anorexie (gesüßter Kaffee war damals mein Überlebens-Elixier…) – aber diesmal als veränderte Person, als echte Person, und dort mittagzuessen… In dem Moment hat sich ein Kreis geschlossen und es fühlte sich ziemlich emotional an. Das wollte ich gerne mit euch teilen 🙂

(Graphiken kreiert mit Canva: https://www.canva.com/)


Special Moments in Berlin

Coming full circle with lunch and a Frappuccino 😉

This post is a bit late, but never mind – it was just life that happened and delayed the finishing touch of the text. About three weeks ago, I visited Berlin during a week of vacation. I had been feeling rather homesick for this city I had spent so many years in (and am looking forward to moving back to next year). It was so special to see good friends face-to-face and catch up with them! Thankfully, the weather was amazing and made covid-safe outdoor encounters possible.

Strecke zum HBFThat being said, Berlin is a place with strong emotional associations for me. One of the few places where I have felt at home in my adult life, but also the place where I lost myself. So many spots and activities in this city remind me of my time with anorexia. (To be precise, I am reminded of that quite often by trivial matters, anyway, regardless of where I am – but the reminders feel even more intense and significant in Berlin.) When I go rollerblading on my standard routes, I can’t help but remember the times I forced myself to skate on the very same ways even while my whole body was rebelling against the exertion. When I pass certain places, I can’t help but recall spending time there studying or working, with my laptop or books or printed papers, in order to stay away from home – where the “risk” was higher that I might end up eating something. Even when things are clearly different now than in the past, my mind establishes a connection. For instance, when I went out for dinner with a friend (also outdoor, of course), I was fully aware that I would never ever have done this in the past. Which made it all the more special. And it was a great evening. It feels strange to perceive all these memories, to be aware of what was once reality for such a long time, but is not anymore. I appreciate these memories now and even treasure them. They connect me with my story and constantly remind me of what is possible with our miracle-making God. But sometimes they also make me feel a bit lonely. Because there is a specialness and a wonder to so many moments – trivial moments – that I rarely share.

Am Hauptbahnhof (3)So now I want to briefly share one of these trivial but special moments in which past, present and future touched in an extraordinary way. Before leaving Berlin, I had some spare time at the main station due to train issues. So I got a Starbucks coffee Frappuccino and sat down under a tree by the riverbank on the other side of the Spree river – aware, as I described above, that it was almost precisely one of the spots where, at the height of my anorexia, I would sometimes sit down to study and be away from home… away from “dangerous” food. To be in this place, once again with a Frappuccino, like in anorexia times (sweetened coffee was my survival drink back then…) – but this time being a different person, a real person, and having lunch there… It felt like coming full circle and made me quite emotional. Just thought I’d share that with you 🙂

(Graphics created with Canva: https://www.canva.com/)

Von innerer Geradheit und Mitgefühl und einem mutigen Gebet || Of Confidence And Compassion And A Courageous Prayer

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Von innerer Geradheit und Mitgefühl und einem mutigen Gebet

Die vergangenen Wochen sind turbulent gewesen. Äußerlich nicht so sehr, dank Covid und meinem vollen Terminkalender – abgesehen von langen Spaziergängen im Wald bleibe ich momentan meistens innerhalb von 15 Minuten Laufentfernung von zu Hause (4 Minuten zur Arbeit, 8 Minuten zum näheren Supermarkt, 15 Minuten zum weiter entfernten Supermarkt, 0 Minuten zu all den Zoom und WebEx und Skype Meetings und den guten alten Telefonaten). Aber innerlich.

Wie ich schon das eine oder andere Mal erwähnt habe, erstaunt es mich immer wieder, dass ich überhaupt in der Lage bin, meine aktuelle Arbeit als Psychotherapeutin in Ausbildung zu praktizieren – und dass ich es gerne tue. Vor nicht allzu langer Zeit war ich diejenige, die vor jedem Gespräch Angst hatte, weil ich in einer vollkommen unnatürlichen Beziehung zu mir selber stand. Das ließ meine Unsicherheit in jeder anderen Beziehung in die Höhe schnellen. Ich war diejenige, die sich in einem permanenten Zustand des Unbehagens befand und jedes einzelne Wort, das ich sagen könnte oder versäumen könnte zu sagen, bewertete und verurteilte – gefangen in mir selbst und daher nie wirklich fähig, in einer Unterhaltung völlig präsent zu sein. (Allein die Erinnerung daran, wie ermüdend es war, macht mich erschöpft.) Ich fühlte mich innerlich verbogen, wohingegen ich jetzt aufrecht und gerade stehen kann, als die Person, die ich bin. Ich fühle mich vollständig, mit mir selber versöhnt. Ich gehe durch die Gänge der Klinik, in der ich arbeite, ich schließe die Tür zu meinem Büro auf, ich heiße einen Patienten willkommen – und ich lächle (unter der FFP2-Maske), ich bin Gott unendlich dankbar, und ich mag es, ich selbst zu sein. Ich muss diesen Bibelvers noch mal teilen, einfach weil er meine Geschichte so wunderbar ausdrückt:

Römer 5,2 Aufrechten Hauptes

Die Unsicherheit und die inneren Bewertungen, die jedes Wort, das ich sage, in Frage stellen, sind auf keinen Fall weg. Im Gegenteil, in den letzten Wochen, die ziemlich stressig und herausfordernd waren, sind sie wieder besonders oft aufgetaucht. In den betreffenden Situationen fühlen sie sich immer noch normal und richtig an. Aber nach einer Weile lassen sie nach und klingen aus. Auch wenn sie sich manchmal akkumulieren, bleiben es einzelne Gedanken und nicht der allgemeine kognitive Grundton. Gnade ist offensichtlich am Werk. Es ist nicht nur erstaunlich und wunderbar, mit mir selber im Einklang zu sein, verwurzelt in Gottes Gnade statt meiner alten Härte, sondern auch, dass ich in Gesprächen richtig anwesend sein kann – eine notwendige Voraussetzung für meine aktuelle Tätigkeit. Ein Konzept, das ganz ähnlich ist wie Gnade für mich selber, ist Selbst-Mitgefühl. Ich habe diesen Begriff kürzlich entdeckt und er hat etwas in mir berührt (und kurz danach wurde er ein wesentliches Schlagwort in zwei unterschiedlichen Seminaren). Im Kontext meiner Arbeit mit Patienten ist das Bedeutsame daran: Wenn ich mir selber Gnade und Mitgefühl zugestehe, schafft das Raum in mir für wahres Mitgefühl mit den Patienten, denen ich begegne. Es schafft Raum dafür, dass es nicht darum geht, ob ich etwas richtig oder falsch mache, sondern dass es um sie geht.

Nichtsdestotrotz bin ich nach wie vor kein großer Experte darin, mit Fehlern, die ich mache, umzugehen 😛 Ich würde gerne sagen können: „Ich habe einen Fehler gemacht, ich habe daraus gelernt, und ich kann mir immer noch in die Augen schauen und Frieden mit mir selber haben. Ich kann akzeptieren, dass ich Mensch bin und daher manchmal Fehler mache.“ Aber selbst wenn ich mich für diese Gedanken entscheide, folgt mein Gefühl nicht, und jeder Fehler fühlt sich an wie das Ende der Welt oder vielmehr meiner Existenz.

Kürzlich gab es eine Situation, in der mir ein dummer Fehler unterlief. Das Unnötigste daran war aber gar nicht der Fehler selber, sondern das massive Schuldgefühl, das ich danach verspürte, vor allem weil die ganze Sache nicht einmal negative Konsequenzen hatte. Dennoch war die empfundene Schuld darüber, etwas „Verbotenes“ getan zu haben, absolut lähmend. Ich versuchte mir vorzustellen, wie der Fehler ins tiefste Meer geworfen wird und sich dort auflöst, aber es machte keinen Unterschied. Dann betete ich: „Jesus, lass deine Gnade das Schuldgefühl, dass sich anfühlt, als würde es mich ersticken, auflösen. Hilf mir, mir zu erlauben, Fehler zu machen. Selbst Fehler, die keinen Sinn ergeben oder keinen angemessenen Grund haben.“

Auch wenn ich lange nicht an dem Punkt bin, den ich mit dem Gebet beschrieben habe, sind allein die Bereitschaft und Fähigkeit, Gott um so etwas zu bitten, ein riesiger Unterschied zu früher! Es zeigt, dass ich mir diese Fehlbarkeit gerne zugestehen würde. Schon dieser Wunsch beinhaltet eine bedeutsame Portion Gnade und Selbst-Mitgefühl. Es gab eine Zeit, als allein die Vorstellung, mir Fehler zuzugestehen, sich anfühlte, als würde meine ganz Welt zerbröckeln. Jetzt fühlte sich das Gebet zwar immer noch gefährlich an, aber richtig, und auch ein bisschen aufregend, im positiven Sinne – ich bin neugierig, zu erleben, wie Gottes Gnade noch mehr in mir wirken wird.

Nach dem Gebet entwickelte sich ein Bild vor meinem inneren Auge. Ich sah, wie ich wie ein kleines Kind in Jesu Arme lief und sagte, „Jesus, ich hab was Dummes gemacht.“ Zuerst war ich so beschämt, dass ich Jesus nicht in die Augen sehen konnte. Aber der nachfolgende Dialog und Seine Handlungen waren so voller Zärtlichkeit, Zuneigung und Liebe, dass meine Scham und Härte am Ende zumindest so weit schmolzen, dass ich mich von Ihm umarmen lassen konnte. Ein berührendes Bild, das mir neben dem Schuldthema auch deshalb so viel bedeutete, weil es dank Corona ewig her ist, dass ich eine tatsächliche Person umarmt habe. (Nebenbei bemerkt, ist das ziemlich verrückt in Anbetracht der Tatsache, dass eine Zeit lang der hauptsächliche aufrechterhaltende Faktor meiner Anorexie der Wunsch war, umarmt und gehalten zu werden – jetzt habe ich weder die Essstörung noch die Umarmungen, und dennoch überlebe ich.)

So weit erst mal. Mehr über aktuelle Schlüsselmomente und -erkenntnisse 🗝 folgt, wenn ich die Zeit – und die Worte – finde.


Of Confidence And Compassion And A Courageous Prayer

The past weeks have been turbulent. Not so much on the outside, thanks to covid and my full schedule – other than taking long walks in the forest, I mostly remain within 15 minutes walking distance of home (4 minutes to work, 8 minutes to the closer supermarket, 15 minutes to the supermarket that is further away, 0 minutes to all the Zoom and WebEx and Skype meetings and good old phone calls). But on the inside.

First of all, I still never fail to be amazed that I am able to do the work I do now, as a psychological therapist in training – and loving it. Not so long ago, I was the girl who was afraid of every conversation because I was in a completely unnatural relationship with myself, causing my insecurity in every other relationship to soar. I was the girl who was in a constant state of unease, appraising and judging every single word I said or might say or might fail to say – caught in my mind and therefore never fully able to be present in the conversation. (Just recalling how exhausting it was makes me feel exhausted.) I felt warped and bent on the inside, whereas now I can stand tall and upright as the person I am. I feel whole, reconciled to myself. I walk around in the halls of the clinic I work at, I unlock the door to my office, I welcome a patient – and I smile (beneath the KN95 mask), I feel incredibly thankful to God, and I like being myself. I just have to share this Bible verse again, it captures my story so well:

Romans 5,2 Standing Tall

Those insecurities, those judging thoughts that question every word I say – they are by no means gone. On the contrary, in the past weeks that have been extremely stressful and challenging in various ways, they have surfaced many times again. They still feel normal and right in those situations. But after a while, they pass. Even though they aggregate in some instances (a lot so lately), they remain individual thoughts and not the underlying tenor of my whole cognition. Grace is obviously at work. It is amazing not only to feel at ease with and in myself, confident about who I am, rooted in God’s grace instead of my old harshness, but also to be able to actually be present in conversations – a necessary prerequisite for my current work. A concept very similar to grace for myself is that of self-compassion. I recently discovered this term and it touched something in me (and shortly afterwards, it turned out to be one of the main words in two different seminars). In the context of my work with patients, the significant thing is that granting myself grace and compassion makes room in me for true compassion for the patients I see. It makes room for it to not be about me doing something wrong or right, but about them.

That being said, I am still not very good at dealing with mistakes I make 😛 I would like to be able to say, “I have made a mistake, I have learned from it, and I can still look myself in the eye and be at peace with myself. I can accept that I am human and therefore make mistakes at times.” But even when I choose these thoughts, my feelings don’t follow, and every mistake feels like the end of the world, or rather, of my existence.

Recently, there was a situation where I made a really silly mistake, but the even more unnecessary thing was the intense guilt I felt afterwards, especially because it didn’t even have any bad consequences. Yet the sense of guilt I felt for doing something “forbidden” was absolutely crippling. I tried to picture the mistake being thrown into the deepest sea and dissolving there, but it didn’t make any difference. Then I prayed, “Jesus, let Your grace dissolve the sense of guilt that feels like it’s suffocating me again. Help me allow myself to make mistakes. Even mistakes that don’t make sense or have an adequate reason.”

Even though I am not at the point where this prayer is completely fulfilled, alone the ability and willingness to ask God for such a thing is a massive difference from what it would have been like in the past! It shows that I want to be able to give myself permission to make mistakes. This wish in itself already contains a significant portion of grace and self-compassion. There was a time when just the idea of allowing myself to make mistakes felt like my whole world would crumble. Now, the prayer still felt dangerous, but right, and also exciting in a positive way – I am curious to experience more of God’s grace working in me.

After the prayer, an image developed in front of my inner eye. I saw myself running into Jesus’ arms like a little child, saying, “Jesus, I have done something stupid.” At first, I was so ashamed that I couldn’t look Jesus in the eye. But the ensuing dialogue, and His actions, were so full of tenderness and love that in the end, it melted my shame and harshness at least so much that I was able to let Him embrace me. A touching image, especially given that, aside from the guilt issue, it has been such a long time since I have hugged an actual person, thanks to corona. (Which, on a side note, is pretty crazy given that once upon a time one of the main sustaining factors of my anorexia was the desire to be embraced, held – now I have neither the ED nor the hugs, and still I am surviving.)

So much for now. More content on recent key moments and realizations 🗝 is to come when (if) I find the time – and the words.

Mein Hochbett und ich || My Loft Bed And I

Mein Hochbett und ich

Sowas wie ein Neujahrs-Beitrag

Dieses Jahr, 2021, wird für mich mit einer großen Veränderung beginnen: Ich werde für den zweiten Teil meiner Praktischen Tätigkeit im Rahmen der Therapeutenausbildung eine neue Stelle antreten, und dafür werde ich für ein Jahr aus Berlin wegziehen in einen kleinen Ort in einem anderen Bundesland. Seitdem ich von der Essstörung Abschied genommen und Gnade in mein Leben eingelassen habe, sehne ich mich nach dieser Art von Veränderung. Aus der Enge rauszukommen, an einen Ort, der mehr Ruhe und Natur bietet. Einen klaren Strich unter die Zeit der Magersucht und der Härte setzen, nicht nur innerlich, sondern auch durch äußere Veränderungen, die seitdem möglich sind. Nun reicht mir Gott diese Gelegenheit, ein Geschenk direkt vom Himmel (wie es zustande kam, war im wahrsten Sinne des Wortes himmlisch) – und so sehr ich mich von Herzen auf die neue Umgebung freue, sowohl auf den Ort als auch auf den attraktiven Job in einem christlichen Setting, so sehr spüre ich auch den intensiven Drang, am Alten festzuhalten. An den Beziehungen natürlich– aber ich werde ja nach einem Jahr zurückkommen und bis dahin mit den Menschen, die mir wichtig sind, in Kontakt bleiben. Es ist also nicht nur dieser Aspekt, und auch nicht nur die Nervosität, sondern darüber hinaus ein sich aufdrängendes Gefühl, dass ich, indem ich alte Umgebungen loslasse, einen Teil meiner Geschichte verlieren werde – speziell das Anorexie-Kapitel meiner Geschichte – und damit einen Teil von mir selber, wenn nicht gar mich selber als Ganzes.

Das klingt doch irgendwie bekannt… Genau so ging es mir damit, die Magersucht an sich loszulassen. Offensichtlich habe ich mich dadurch nicht verloren, sondern vielmehr gefunden. Aber es gibt scheinbar einen Teil von mir, der immer noch beweisen muss, dass die Magersucht echt war. Überrascht von dieser emotionalen Anhänglichkeit, habe ich festgestellt, dass sie mit dem Gefühl zu tun hat, dass viele Aspekte – Details – meiner Essstörung nie wirklich gesehen wurden. Ich habe mit verschiedenen Menschen, in privaten wie professionellen Settings, über meine allgemeinen essstörungsbezogenen Gedanken und Gefühle usw. gesprochen, und in selten Fällen über die Nahrungsmenge, die ich zu mir nahm, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich die Details geteilt hätte, die den Alltag mit der Anorexie charakterisierten – die konkreten Einzelheiten meiner verqueren Essgewohnheiten, die vielen essensbezogenen Pläne und Alternativpläne in meinem Kopf, die Schwierigkeit, das Abendmahl zu nehmen (und die Male, wo ich es gar nicht konnte), die Halblügen, die eigentlich ganze Lügen waren, weil ich sie bewusst konzipiert hatte, um die Wahrheit zu verschleiern, und so viel mehr. Ich bin mir gar nicht mehr sicher, ob ich nicht darüber sprechen wollte oder einfach nicht wusste, wie ich solche Themen anbringen könnte. Wahrscheinlich am Anfang das Nicht-Wollen, später dann das Nicht-Können. Aber Fakt ist: Die einzigen Zeugen von zumindest den meisten dieser Details sind mein Zimmer und die Möbel. Der Spiegel, der mir so oft zum Body Checking diente und in dem ich meine Gewichtsschwankungen genauestens überwachte. Der Kleiderschrank, der Kleidung beinhaltete, die zu meinem jeweiligen Gewicht passte. Die Lampe, die meine Verhaltensweisen und emotionalen Ausbrüche beleuchtete. Der (Schreib-)Tisch, der bizarre Essensanordnungen auf der Tischfläche trug. Und am allermeisten das Bett, mein Hochbett – ein Kindheitstraum, den ich mir als Erwachsene erfüllt hatte. Das Hochbett, auf dem ich oft mit hungrigem Magen lag, reizbar und schlecht gelaunt, aber verliebt in das leere Gefühl. Das Hochbett, auf das ich zu anderen Zeiten mit Bauchweh und Blähungen lag, oder mit einer tiefen Erschöpfung, die jede Bewegung unglaublich anstrengend machte, und immer mit den penetranten Gedankenkreiseln um Essen und Gewicht, den zahllosen Plänen, wie ich den nächsten Tag mit so wenig Essen wie möglich überstehen könnte, der Qual, innerlich zerrissen zu sein zwischen meinem Willen und Gottes Willen. Das Hochbett, das miterlebte, wie ich es liebte, meine Knochen zu spüren, oder wie ich es hasste, meine „dicken“ Oberschenkel wahrzunehmen. Das Hochbett, das viele Nächte voller Tränen ertrug. Das Hochbett, das so viele Gebete hörte, so oft mein Flehen „Herr, lass mich nicht abrutschen“ (vergleiche Psalm 94,18 in der Bibel), meistens wenn ich schon mitten in einer neuerlichen Talfahrt in die Tiefen der Essstörung drinsteckte; oder „Denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Vollbringen nach Seinem Wohlgefallen“ (Philipper 2,13 in der Bibel) – das Gebet, das ich immer wieder betete, weil ich zu gespalten war, um Gott tatsächlich darum zu bitten, mich zu heilen.

Ich weiß, es ist nur ein Bett. Ich werde meine Geschichte nicht wirklich verlieren, und auch nicht meine Identität, wenn ich dieses Bett weggebe. Ich werde nicht den „Beweis“ verlieren, dass meine Anorexie echt war. Nichts davon wird passieren. Die extreme Anhänglichkeit an das Bett und den Rest der Möbel offenbart, dass es noch immer Aspekte der Magersucht gibt, die ich festhalte – auf sehr subtile Weise, nicht durch sichtbares Verhalten, aber im Sinne von unbewussten (bzw. jetzt bewussten) Bindungen an die Vergangenheit. Aus dieser Perspektive ist es umso besser, dass ich diese Bindungen jetzt kappen werde, damit ich die alte Identifikation mit der Magersucht nicht stärke. Vielleicht wird es sich eine Zeit lang so anfühlen, als würde ich meine Geschichte verlieren, aber dann wird das Gefühl vorübergehen, und ich werde einen weiteren Schritt in die Freiheit gemacht haben.

Das ist mein Start ins Jahr 2021 – ein Jahr, das zwar nicht mit echten Feuerwerken eingeläutet wurde, das aber dafür ein Feuerwerk an Neuheit, Veränderung und Chancen mitbringt. Wie auch immer der Start und die Fortsetzung von 2021 für dich aussehen mögen – ich wünsche dir ein reich gesegnetes Jahr, in dem du deine eigenen, vielleicht ähnlich unerwarteten, Schritte in neue Freiheitsdimensionen unternimmst!

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(Bilder:

– 2021 skyline: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

– Rest der Fotos: aufgenommen mit meiner schrecklichen Smartphone-Kamera 🙈

– Collage und Graphik kreiert mit Canva: https://www.canva.com/ )


My Loft Bed And I

Something like a New Year’s entry

This year, 2021, is going to start with a big change for me: I will begin a new job as part of my training as psychological therapist, and for that, I will move away from Berlin for a year, to a small town in a different federal state. Ever since my recovery and learning to allow grace into my life, I have been yearning for this kind of change. To get away from the narrow confines, to a place that would offer more calmness and nature. To draw a clear line under the time of anorexia and harshness not only inwardly, but also through outward changes that became possible then. Now God is handing me this opportunity, a present straight from heaven (literally – the way it came about was definitely heavenly) – and as much as I do look forward to the new surroundings, both the town and the attractive job in a Christian setting, I also feel the intense urge to hold on the old. The relationships, of course – but I will return after a year, and until then stay in touch with people. So it’s not just that and not just nervousness, either, but beyond those a powerful sense that, by letting go of old surroundings, I will lose part of my story – specifically the anorexia chapter of my story – and thereby part of myself, if not myself as a whole.

Doesn’t that sound familiar… That was exactly how I felt about letting go of anorexia itself. Obviously, I did not lose myself, but found myself. But apparently there is a part of me that still needs to prove that my anorexia was real. Surprised about this immense emotional attachment, I realized that it is to do with the feeling that many aspects – details – of my eating disorder were never really seen. I talked to people, both in private and professional settings, about my general thoughts and feelings and so on, and in rare cases about the amount of food I was consuming, but I can’t remember sharing the details that characterized everyday life with anorexia – the specifics of my warped eating habits, the amount of eating plans and alternative plans in my head, the difficulty of taking Communion at church (and the times when I just couldn’t), the half-lies that were in truth complete lies because they were consciously designed to disguise the truth, and so much more. I don’t remember if I didn’t want to talk about these things or if I just didn’t know how to bring them up. Probably, it was not wanting to in the beginning and later became not being able to. But the fact is: The only witnesses of at least most of these ED-related details are my room and the furniture. The mirror in which I did so much body checking and closely observed my weight losses and gains. The closet that contained clothes in accordance with my size at each point of time. The lamp that illuminated my behaviors and emotional outbursts. The desk / table that held bizarre food arrangements. And most of all the bed, the loft bed – a childhood dream I had allowed to come true as an adult. The loft bed upon which I lay with a hungry stomach, in an irritable mood but loving the empty feeling. The loft bed upon which, at other times, I lay with stomach aches and bloating, or with that deep exhaustion that made every move incredibly difficult, and always with the penetrating food and weight thoughts, spinning like a relentless merry-go-round. The countless plans to survive the next day with as little food as possible, and the agony of being torn apart between what I wanted and what God wanted. The loft bed that witnessed how I loved being able to feel my bones or loathed the “fatness” of my thighs. That bore many nights of tears and crying. The loft bed that heard so many prayers, so many times “Lord, keep my foot from slipping” (compare Psalm 94:18 in the Bible), often when I was already allowing myself to slip into further depths of the eating disorder once more; or “For it is God who works in you to will and to act in order to fulfill His good purpose” (Philippians 2:13 in the Bible) – the prayer I would constantly pray because I was too torn apart to actually ask God to heal me.

I know, it’s just a bed. I won’t really lose my story, and with it my identity, by giving this bed away. I won’t lose the “proof” that my anorexia was real. None of this will happen. This extreme attachment to the bed and the rest of the furniture reveals that there are still aspects of anorexia I am holding on to – in a very subtle way, not through visible behaviors, but through subconscious bonds to the past (which have now become conscious). From this perspective, it is all the better that I will sever these bonds now, so that I won’t strengthen the old identification with anorexia. It may feel like losing my story for a while, but then the feeling will pass, and I will have taken another step into freedom.

That’s my start into 2021 – a year that, though it was not rung in with actual fireworks, is bound to bring a firework of newness, change and opportunities. Whatever your start and continuation of 2021 may look like, I wish you a very blessed year, and may you be able to take your own, perhaps equally unexpected, steps into new dimensions of freedom!

bunk-bed

(Images:

– 2021 skyline: image by Gerd Altmann on Pixabay

– Rest of the photos: taken with my terrible smartphone camera 🙈

– Collage and graphic created with Canva: https://www.canva.com/ )

(Not) Missing – THANKSGIVING WORD ART

THANKSGIVING 🙏🏻🍁💫

Once, I had lost myself. But God’s grace found me and I became myself again. Always a reason to give thanks to God!

***

Happy Thanksgiving! Even though it’s probably a very unusual one…

[Image using a photo by Noah Silliman on Unsplash]

#thanksgiving #mystorywithgod #mylittleamericansoul #evenif #edrecovery #allglorytogod

Looking Back #15 || Rückblick #15

Looking Back #15: An Ending And A Beginning

Something like an epilogue…

Wow, it took me over a year to complete the “Looking Back” series. I could probably start a new one for this past year 😉 But it shows that my life is filled and the story continues to be written – new chapters added to the same story, often times with references to past chapters. Thoughts, quotes, ideas from this past episode continue to be woven into the current fabric of my story.

This day exactly two years ago – November 13th, 2018 – marked an ending and a beginning. The ending of the inpatient stay that meant so much to me. And the beginning of a new life in the old surrounding, in the outward frame of my old life.

* * *

And suddenly, it was over.

Only, of course it wasn’t.

I was back in Berlin and the inpatient stay itself was over – but all that had happened there, the inner changes, came to Berlin with me. I was about to write, came “back” to Berlin with me, but that would be wrong. I as physical person returned to Berlin, but I as transformed person stepped into my everyday life in Berlin for the very first time. And it felt as though it did not fit anymore – I did not fit into my life anymore. That’s a different part of the story, though. What it does highlight is how profound the changes that had taken place in me were – how powerful, amazing, and loving the God who worked them in me. He let me write the story together with Him, and allowed me to be accompanied by so many amazing people who each played a unique and meaningful role. My story would not be complete without all of them.

From my Prayer Diary on November 11th, 2018

Thank You that I am indeed becoming myself again, the relationship person I am. Thank You for restoring in me the joy of being with people, as prayed before [the inpatient stay]! Thank You for all the amazing friends I have made.

It will be (and has been) so hard to say good-bye.

But thank You for all the breakthroughs, more than I had imagined, and that I have been able to put colons (:) in all decisive areas. You are so great and amazing!

Maybe it’s not surprising that the people in Berlin – the people that mean so much to me! – feel a bit like strangers to me, and being with the people here feels like home. After all, the ease and openness I am able to live here at least in part was missing at home, so I never got to know the people there in the same way as some of my fellow patients here. Of course, it can change in the future, but for now I have to accept the fact that I don’t have the kind of relationship I have with [my new friends here] with anyone in Berlin. It’s up to me to make it happen there as well, but it makes the farewell all the more difficult.

From my Prayer Diary on November 12th, 2018

No wonder it’s difficult to say good-bye to the clinic: Here I have found me, I have found who I am and have been able to be myself. I have never been myself in Berlin and I am scared to “lose myself” again. I am confident at the same time, deeply convinced that You who helped me find myself here will help me remain myself there. But I will let the fear and sadness surface as well right now – it’s okay because they show me how much has changed and will keep me from simply returning to the way it was.

From my Prayer Diary on November 13th, 2018

[Having gained weight this morning] still devastated me.

The fight is not over.

But it’s not a fight against myself anymore.

[…]

Back in Berlin

I “found myself” there. I am a new person, the real me, and this real me has only ever existed there. I have to get to know myself, plus the new me has to make this place her home and the people here her friends […]. Until then, it’s not surprising that I feel lonely and even homeless. It shows how much I have changed on the inside. Which is amazing…

… but right now it just hurts terribly to be here and not there.

This is the journey I have been on ever since. Even now, two years and many more transformations later, I am still not sure if I will be able to make Berlin my home again or not. Finding myself came at a high price, though a logical one, and one I had maneuvered myself into. It’s as though I am still getting to know myself, which is causing me to question many things I once took for granted. A painful but healthy, yes divine process.

However, this is not how I want to end this “Looking Back” series. Instead, I want to conclude with a quote from the first half of the inpatient episode, where the inner changes that were only just “hatching” allowed me to catch a glimpse of the whole meaning of the transformation to come, the peace I would finally be able to make with myself.

From my Prayer Diary on October 14th, 2018

And the relief… There was never a moment of pause or vacation from the ED, from waking till falling asleep, not one second, for years. It was always a fight to eat because of the hellish guilt that followed, and to not-eat because I still had the body signals and appetite; always a fight to maintain the ED and to combat it, from the very beginning on. Constant struggle, constant tension, never-ending, every waking second, and probably during my sleep as well. And now, through the structure of the days here and the inner change You have been working in me, as the battle line is moving in favor of health, there is suddenly a relief, there are moments of break from the battle, and it’s overwhelming. I feel the tiredness of the years, and it’s okay, it’s good – it’s healthy and appropriate. I feel a peace that has not been there in ages. Oh God, it’s overwhelming. To go to sleep, and despite the tension during meals […], to feel okay. And to feel that the next day will be okay as well, without complicated strategies in order to not eat too much. It’s incredible, and I stand in awe (or lie on my bed in awe 😉), and right now, this is my worship, the best and deepest worship, straight out of my heart.


Rückblick #15: Ein Ende und ein Anfang

Eine Art Nachwort

Wow, ich habe über ein Jahr gebraucht, um die „Rückblick“-Serie abzuschließen. Ich könnte wahrscheinlich schon wieder eine neue aufmachen für das vergangene Jahr 😉 Aber es zeigt, dass mein Leben gefüllt ist und die Geschichte weitergeschrieben wird – neue Kapitel, die derselben Geschichte hinzugefügt werden, oftmals mit Bezug auf die vergangenen Kapitel. Gedanken, Zitate, Ideen der damaligen Episode werden weiterhin in das gegenwärtige Gewebe meiner Geschichte eingeflochten.

Dieser Tag vor genau zwei Jahren – der 13. November 2018 – markierte ein Ende und einen Anfang. Das Ende des Klinikaufenthaltes, der mir so viel bedeutet hatte. Und den Beginn eines neuen Lebens im alten Umfeld, im äußeren Rahmen meines alten Lebens.

* * *

Und plötzlich war es vorbei.

Nur war es das natürlich nicht.

Ich war zurück in Berlin und der Reha-Aufenthalt selber war vorbei – aber alles, was dort passiert war, all die inneren Veränderungen, die kamen mit mir nach Berlin. Ich wollte schon schreiben: kamen mit mir „zurück“ nach Berlin. Aber das wäre falsch. Ich als physische Person kam nach Berlin zurück, aber ich als veränderte Person trat zum allerersten Mal in mein Alltagsleben in Berlin. Und es fühlte sich an, als würde es mir nicht mehr passen – ich passte nicht mehr in mein Leben. Das ist allerdings ein anderer Teil der Geschichte. Was es verdeutlicht, ist, wie tief die Veränderungen waren, die in mir stattgefunden hatten – wie mächtig, erstaunlich, wundervoll und liebend der Gott war und ist, der sie in mir bewirkt hat. Der mich an die Hand genommen hat, so dass ich die Geschichte zusammen mit Ihm schreiben konnte. Der dafür gesorgt hat, dass ich von so vielen großartigen Menschen begleitet wurde, von denen jeder und jede eine einzigartige und bedeutsame Rolle spielte. Ohne sie wäre meine Geschichte nicht vollständig.

Aus meinem Gebetstagebuch am 11. November 2018

Danke, dass ich tatsächlich dabei bin, wieder ich selbst zu werden, die Beziehungsperson, die ich wirklich bin. Danke, dass du in mir die Freude an Gemeinschaft mit anderen Menschen wiederherstellst – so, wie ich es vor der Reha gebetet habe! Danke für all die großartigen Freunde, die ich kennengelernt habe.

Es wird so schwierig sein, mich zu verabschieden (bzw. war teilweise schon so schwierig).

Aber danke für all die Durchbrüche, mehr als ich mir vorgestellt hatte, und  danke, dass ich in allen entscheidenden Bereichen Doppelpunkte setzen konnte. Du bist so groß, erstaunlich und wunderbar!

Vielleicht ist es nicht überraschend, dass die Menschen in Berlin – die Menschen, die mir so viel bedeuten! – mir ein bisschen wie Fremde vorkommen, während es sich mit den Menschen hier wie zu Hause anfühlt. Schließlich hat die Offenheit und Lockerheit, die ich hier zumindest teilweise leben kann, zu Hause gefehlt. Daher habe ich die Leute dort nie auf die Weise kennengelernt wie einige meiner Mitpatienten hier. Natürlich kann sich das in Zukunft ändern, aber für jetzt muss ich akzeptieren, dass ich die Art von Beziehung, die ich mit einigen neuen Freunden hier habe, mit niemandem in Berlin habe. Es ist an mir, dafür zu sorgen, dass sich auch dort solche Freundschaften entwickeln, aber es macht den Abschied umso schwerer.

Aus meinem Gebetstagebuch am 12. November 2018

Kein Wunder, dass es schwer ist, mich von der Klinik zu verabschieden: Hier habe ich mich gefunden. Ich habe die gefunden, die ich bin, und konnte ich selbst sein. In Berlin bin ich noch nie so richtig ich selbst gewesen und ich habe Angst, mich wieder zu verlieren. Gleichzeitig bin ich zuversichtlich, zutiefst überzeugt, dass du, Gott, der mir geholfen hat, mich hier zu finden, mir auch helfen wird, dort ich selbst zu bleiben. Aber ich werde auch die Angst und Traurigkeit an die Oberfläche kommen lassen – es ist in Ordnung, weil es zeigt, wie viel sich verändert hat, und mich davon abhalten wird, einfach zu dem früheren Zustand zurückzukehren.

Aus meinem Gebetstagebuch am 13. November 2018

Heute Morgen hat es mich immer noch am Boden zerstört, dass ich zugenommen habe.

Der Kampf ist nicht vorbei.

Aber es ist nicht mehr ein Kampf gegen mich selber.

Zurück in Berlin

Dort habe ich mich gefunden. Ich bin eine neue Person, das echte Selbst, und dieses echte Selbst hat bisher nur dort existiert. Ich muss mich selbst kennenlernen, und das neue Ich muss diesen Ort zu ihrem Zuhause machen und die Menschen hier zu ihren Freunden. […] Bis dahin ist es nicht erstaunlich, dass ich mich einsam und sogar heimatlos fühle. Es zeigt, wie sehr ich mich innerlich verändert habe. Und das ist ein immenses Wunder…

… aber gerade tut es einfach schrecklich weh, hier zu sein und nicht dort.

Das ist also die Reise, auf der ich seitdem unterwegs bin. Selbst jetzt, zwei Jahre und viele weitere Veränderungen später, bin ich nicht sicher, ob ich Berlin wieder zu meinem Zuhause werde machen können oder nicht. Mich selbst zu finden hat einen hohen, wenn auch logischen, Preis gekostet – einen, in den ich mich selber hineinmanövriert hatte. Ich bin wohl immer noch dabei, mich selber richtig kennenzulernen, was dazu führt, dass ich viele Dinge zu hinterfrage, die früher selbstverständlich waren. Ein schmerzhafter, aber gesunder, ja göttlicher Prozess.

Doch das ist nicht das, womit ich diese Rückblick-Reihe abschließen will. Sondern ich möchte mit einem Zitat aus der ersten Hälfte der Reha enden, als mir die inneren Veränderungen, die zu dem Zeitpunkt gerade erst zarte Knospen schlugen, einen kleinen Vorblick auf die Bedeutung der gesamten Transformation, die noch kommen sollte, gewährten. Auf den Frieden, den ich endlich mit mir selber schließen würde.

Aus meinem Gebetstagebuch am 14. Oktober 2018

Und die Erleichterung… Es gab nie einen einzigen Moment Pause oder Urlaub von der Essstörung, vom Aufwachen bis zum Einschlafen, nicht eine Sekunde, über Jahre. Es war immer ein Kampf zu essen aufgrund der höllischen Schuldgefühle, die dann folgen würden; und nicht zu essen, weil mein Körper immer noch Signale sandte und ich Appetit hatte. Immer ein Kampf, die Essstörung aufrechtzuerhalten und sie zu bekämpfen, von Anfang an. Ständiger Kampf, ständige Spannung, ohne Ende, jede Sekunde des Wachseins, und wahrscheinlich auch während des Schlafes. Und jetzt, durch die Struktur der Tage hier und durch die inneren Veränderungen, die Du in mir begonnen hast, jetzt, wo die Schlachtlinie sich in Richtung Gesundheit verschiebt – jetzt ist auf einmal eine Erleichterung da. Es gibt Augenblicke, in denen der Kampf ruht, und das ist überwältigend. Ich spüre die Müdigkeit all der Jahre, und es ist okay, es ist gut – es ist gesund und angebracht. Gott, es ist überwältigend. Schlafen zu gehen, und mich trotz der Anspannung bei den Mahlzeiten […] okay zu fühlen. Und zu fühlen, dass es auch am nächsten Tag okay sein wird, ohne komplizierte Strategien, um nicht zu viel zu essen. Es ist unglaublich, und ich stehe voller Ehrfurcht (oder liege voller Ehrfurcht im Bett 😉), und im Moment ist das meine Anbetung, die beste und innigste Anbetung, direkt aus meinem tiefsten Herzen.

Looking Back #14 || Rückblick #14

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Looking Back #14: The Real Me

… and a thought about grace BEFORE

In the previous “looking back” post, I described how God was preparing my heart to accept grace and make peace with myself. Up to this point, it was a process. But as I have said before, it has been my experience that sometimes a process leads to threshold moment, a moment in which I cross a line and a major shift takes place in my heart. The last Thursday of my inpatient stay held such a threshold moment for me. That morning, it felt as though the inner war was culminating and truly tearing me apart – a war between my spirit (the part of me that is closely connected to God) and my soul (my human thinking, feeling, perceiving, wanting).

From my Prayer Diary on November 8th, 2018

Exodus 14:14: The Lord will fight for you; you need only be still.

–> This is a battle I cannot fight with my will and my strength. My God, I lay myself into Your hands. Fight this battle for me.

The inner war intensified over night. If felt like a spiritual war more than anything else, because I know it is against myself, or rather between my spirit and my soul, but I can’t fully describe it in words. Just that my soul rebels against coming to peace.

Being asked if I couldn’t simply lay the inner weapons down, my only reply was that, no, I could not, because I’d need weapons against the weapons…

The inner war became even stronger when, in the next therapy session, which was called “salutary singing,” we sang the lyrics “Shalom… peace be with you” to each other. Those words were unbearable for me, because as much as I longed for it, the fear and rebellion against this peace was even stronger.

From my Prayer Diary on November 8th, 2018

It is so difficult for me to accept this [the words: peace be with you], because peace is not with me. I wish the subjunctive would become an indicative: Peace is with me.

This tension caused even more inner turmoil and at the end of the session, I could not hold it together any longer. The moment I (or rather, the version of myself I had become) finally fell apart… and was able to be put together again afterward in a new manner… that is a moment I will never forget.

From my Prayer Diary on November 8th, 2018

This war in me, the war against myself, the war between spirit and soul – in the end, the aim is not to defeat the soul (a part of myself!), i.e., to have a winner and a loser (because that would be a loser in me!). In this case, it’s not about victory and defeat, but about alignment, joining together, unifying. So I will use the sword not to wage war against the soul, but instead for an act of knighting, which means to me in this context aligning the soul with the spirit.

And that will lead to true peace.

And it did.

I was able to accept this idea of knighting, because I was so amazed that God met me right where I was, knowing that I wasn’t able to let go of the sword, and so not forcing me to, but showing me a different solution. That touched me beyond words, and I was finally able to say, “Yes, God, I accept Your peace and Your grace.” Right then and there, this special divine peace that is beyond human understanding (compare Philippians 4:6-7) filled me, and along with it the feeling that I had become myself again, that I had found myself, or better, I had been found by God and put back together. I was finally whole. (More on that part of my story in the post I wrote shortly after the inpatient stay, about the P E A C E I had finally found.)

Even now, it is difficult for me to find words for the intensity of what happened in that threshold moment. I wish I could convey the depth of the change that took place in me, and the awe and wonder at God’s working in me. Since then, of course, a lot has happened. I have been holding on to being myself, to not letting myself be torn apart again, which is not always easy. And I have been learning that there are still further levels of grace to experience and grant myself. For example, I recently discovered that I had only taken hold of a specific aspect of grace, which I now call “grace AFTER.” I have been learning to be graceful to myself when I have made a mistake, to get over a shortcoming or failure – AFTER it has happened. Yet I still enter each day and situation with the attitude that I have to do well and get everything right, by all means. I say, “I have to get it right today. I have to use perfect wordings. I have to refrain from skin-picking” and so on. So basically, I don’t allow myself to make mistakes. When it still happens, it feels terrible at first, but then it is possible for grace to slowly seep in. Yet am I not omitting an important aspect of grace, which would be to allow grace BEFORE the situation arises? To state beforehand that I will do my best, but if it’s not exactly what I expect of myself, it’s still okay? That would be grace BEFORE, and this approach is still difficult and scary because I so badly want to get everything right. But I see now that it takes both, grace after and also grace before, to truly stop fighting against myself. So I am still on the road toward ever more depth of peace and grace – there is still a way before me, but I have also come quite far already.


Rückblick #14: Ich selbst werden und sein

… und ein Gedanke zu Gnade VORHER

Im letzten Rückblicks-Beitrag habe ich beschrieben, wie Gott mein Herz darauf vorbereitete, Gnade anzunehmen und Frieden mit mir selber zu schließen. Bis zu diesem Punkt war es ein Prozess. Aber wie ich schon das eine oder andere Mal gesagt habe, erlebe ich immer wieder, dass ein Prozess zu einem Schwellenmoment hinführt, einem Moment, an dem ich eine Linie überquere und sich etwas Bedeutsames in meinem Inneren verlagert. Der letzte Donnerstag meines Klinikaufenthaltes hielt solch einen Schwellenmoment für mich bereit. An jenem Morgen fühlte es sich so an, als würde sich der innere Kampf zuspitzen, einen Höhepunkt erreichen und mich wahrhaftig innerlich zerreißen – ein Kampf zwischen meinem Geist (dem Teil von mir, der eng mit Gott verbunden ist) und meiner Seele (mein menschliches Denken, Fühlen, Wahrnehmen, Wollen).

Aus meinem Gebetstagebuch am 8. November 2018

2. Mose 14,14: Der Herr wird für euch kämpfen, ihr selbst braucht gar nichts zu tun.

–> Das ist ein Kampf, den ich nicht mit meinem Willen und meiner Kraft kämpfen kann. Mein Gott, ich lege mich in Deine Hände. Kämpfe Du diese Schlacht für mich.

Der innere Kampf hat sich über Nacht intensiviert. Mehr als alles andere fühlt es sich nach einem geistlichen Kampf an, denn ich weiß, dass es ein Kampf gegen mich selber ist, oder vielmehr zwischen meinem Geist und meiner Seele, aber ich kann es nicht vollständig mit Worten beschreiben. Nur, dass meine Seele dagegen rebelliert, Frieden zu finden und zur Ruhe zu kommen.

Als ich gefragt wurde, ob ich die inneren Waffen nicht einfach niederlegen könne, war meine einzige Antwort: Nein, kann ich nicht, denn ich bräuchte Waffen gegen die Waffen…

Der innere Kampf wurde noch heftiger, als wir einander in der nächsten Therapie-Einheit, „Heilsames Singen“, ein Lied mit der Zeile „Schalom… Friede sei mit dir“ zusangen. Diese Worte waren unerträglich für mich, denn so sehr ich mich nach diesem Frieden sehnte, waren die Angst und die Rebellion dagegen noch stärker.

Aus meinem Gebetstagebuch am 8. November 2018

Es ist sehr schwierig, das [die Worte: Frieden sei mit dir] für mich anzunehmen, weil der Frieden bei mir nicht da ist. Ich wünsche mir, aus dem Konjunktiv würde ein Indikativ werden: Der Friede ist mit mir.

Diese Spannung zu spüren, wühlte mich innerlich noch mehr auf, und am Ende der Stunde konnte ich mich nicht mehr zusammennehmen. Der Moment, in dem ich (oder vielmehr, die Version meiner selbst, die ich geworden war) endlich zerbrach… um danach wieder neu zusammengesetzt zu werden… diesen Moment werde ich nie vergessen.

Aus meinem Gebetstagebuch am 8. November 2018

Der Kampf in mir, der Kampf gegen mich selbst, der Kampf zwischen Geist und Seele – am Ende ist es nicht das Ziel, die Seele (die ja ein Teil von mir selbst ist!) zu „besiegen“, d.h. einen Gewinner und einen Verlierer zu haben – denn das wäre ja ein Verlierer in mir. In diesem Fall geht es nicht um Sieg und Niederlage, sondern um eine Vereinigung, dem Erreichen einer gleichen Ausrichtung. Daher werde ich das Schwert nicht benutzen, um die Seele zu bekriegen, sondern stattdessen für einen Ritterschlag – was für mich in diesem Zusammenhang bedeutet, die Seele mit dem Geist zu vereinigen und auf eine Linie zu bringen.

Und das wird zu wahrem Frieden führen.

Und das tat es.

Ich konnte diese Idee des Ritterschlags annehmen, weil es mich so sehr mit Ehrfurcht und Staunen erfüllte, dass Gott mich genau da abholte, wo ich war – Er wusste, dass es mir nicht möglich war, das innere Schwert loszulassen, und zwang mich nicht dazu, sondern zeigte mir eine andere Lösung. Das berührte mich mehr, als ich in Worte fassen kann, und ich konnte endlich sagen: „Ja, Gott, ich nehme Deinen Frieden und Deine Gnade an.“ Als ich das im Kopf gedacht hatte, erfüllte mich auf der Stelle der unglaubliche göttliche Frieden, der den menschlichen Verstand übersteigt (vgl. Philipper 4,6-7), und mit ihm das Gefühl, dass ich wieder ich selbst geworden war, dass ich mich selbst gefunden hatte, oder besser, dass ich von Gott gefunden und wieder zusammengesetzt worden war. Ich war endlich ganz. (Mehr zu diesem Teil meiner Geschichte in dem Beitrag, den ich kurz nach dem Klinikaufenthalt schrieb, über den F R I E D E N, den ich endlich gefunden hatte.)

Selbst jetzt finde ich kaum Worte für die Intensität dessen, was in jenem Schwellenmoment geschah. Ich wünschte, ich könnte die Tiefe der Veränderung, die damals in mir stattfand, vermitteln, und das ehrfurchtsvolle Staunen über Gottes Wirken in mir. Seitdem ist natürlich viel passiert. Ich habe das Ich-Selbst-Sein festgehalten, habe mich nicht wieder innerlich zerreißen lassen – was nicht immer einfach ist. Und ich habe gelernt, dass es noch weitere Stufen der Gnade gibt, die ich erfahren und mir selbst zugestehen darf. Zum Beispiel habe ich vor Kurzem festgestellt, dass ich bisher nur einen begrenzten Aspekt von Gnade für mich in Anspruch genommen habe, den ich „Gnade DANACH“ nenne. Ich bin dabei zu lernen, gnädig zu mir selber zu sein, wenn ich einen Fehler gemacht habe oder mich selber als unzulänglich empfinde – NACHDEM etwas Blödes passiert ist. Dennoch begebe ich mich weiterhin in jeden Tag und jede Situation mit der Haltung, dass ich alles gut und richtig machen muss, um jeden Preis. Ich denke innerlich: „Ich muss heute alles richtig machen. Ich muss perfekte Formulierungen benutzen. Ich muss mich davon abhalten, an meiner Haut herumzuspielen“ usw. Im Grunde genommen erlaube ich es mir also nicht, Fehler zu machen. Wenn es doch passiert, fühlt es sich erst mal schrecklich an, doch dann kann ich es zulassen, dass Gnade langsam in mich hineinsickert. Aber klammere ich nicht einen wesentlichen Aspekt von Gnade aus, nämlich mir schon Gnade zuzugestehen, BEVOR eine solche Situation eintritt? Mir zwar vorzunehmen, mein Bestes zu geben, aber mir auch zuzugestehen, dass es okay ist, falls ich es nicht ganz so schaffe, wie ich es von mir erwarte? Das wäre Gnade DAVOR, und diese Herangehensweise ist immer noch schwierig und macht mir Angst, weil ich unbedingt alles richtig machen will. Aber ich sehe jetzt, dass beides nötig ist, sowohl Gnade danach als auch Gnade davor, um wirklich aufzuhören, gegen mich selber zu kämpfen. Ich bin also noch auf der Reise hin zu immer tieferem Frieden und Gnade – es liegt noch ein Weg vor mir, aber ich bin auch schon ziemlich weit gekommen.

Looking Back #13 || Rückblick #13

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Looking Back #13: There Is Now No Condemnation…?

The Days Before Grace

1 Corinthians 15:10a (NIV): But by the grace of God I am what I am, and his grace to me was not without effect.

1 Corinthians 15,10a By the grace of God

What an incredible verse! It tells my story with God – universal in that His grace writes an absolutely amazing story with everyone who is willing to accept it, yet so very personal and special because “what I am” is completely individual, it’s different for me than for anyone else.

When I allowed God’s grace to enter into my heart and my life, I began to become who I really am – and I am still discovering new levels, both of grace and of being me. I am probably not the only one experiencing situations that call for a decision of grace toward oneself in this bizarre and crazy season of the corona pandemic, am I? Due to this need for grace, I have found myself recollecting my first journey toward grace that took place about one and a half years ago quite often lately. It is such a treasure for me and I would like to share this treasure with you, so come along and take some of the precious pearls with you.

The last “looking back” post has been a while. This is where I had ended: Even though I had come to the conclusion that I should (yes, always “should”) make God’s truth my truth and accept His grace for me, I was not yet able to. I was too scared, for it felt like making room for grace would cause everything to crumble, the core of my being. So I continued to long for inner peace while at the same time rebelling against it, out of fear of what it would make of me. Despite knowing full well that I had lost myself already, precisely due to this harshness I was holding on to, I could not help but cling to the rest of what felt like me, at least the expectations and demands I had for myself, with all my might.

But God is always willing to take us through a process, and the following days became days of preparation. I was bombarded with Bible verses on said topic and simply could not escape God’s view of grace – and of me. Here are some of the verses, mostly from a sermon I heard that Sunday, and my thoughts about them.

From my Prayer Diary on November 4th, 2018

Romans 1:7b (NIV): Grace and peace to you from God our Father and from the Lord Jesus Christ.

–> Jesus, You are the “Prince of Peace” – not only of peace between people, and between me and You (though this as well), but also between my spirit and my soul, between the divided parts of myself!

Romans 8:1-2 (NIV): Therefore, there is now no condemnation for those who are in Christ Jesus, because through Christ Jesus the law of the Spirit who gives life has set you free from the law of sin and death.

–> It is presumptuous to condemn myself when You do not condemn me!

Romans 8:6: (NIV): The mind governed by the flesh is death, but the mind governed by the Spirit is life and peace.

Romans 8:15a (NIV): The Spirit you received does not make you slaves, so that you live in fear again; rather, the Spirit you received brought about your adoption to sonship.

–> With this ungraciousness with myself, I make myself a slave of fear (fear of failing, fear of not being enough, …).

–> The harshness towards myself and the insecurity belong together. If I am not ungracious with myself, I don’t have to be insecure. […] I see that this attitude towards myself has to be wrong by its consequence, i.e., the extreme insecurity in me heart.

–> I choose grace for myself and being rooted in You rather than relying on my own doing, i.e., doing everything right!

From my Prayer Diary on November 6th, 2018

Freedom belongs together with graciousness toward myself, peace with myself, right? If I decide to have an attitude of graciousness toward myself, then I make peace with myself and stop the inner war, and as a consequence, I am free of all those inner pressures, inner rules, inner voices of “have to,” “must” and not “allowed to.”

Clearly, God was preparing my heart for grace. This is the most amazing thing about God’s grace: Even when the ambivalence in us so great that we do not even want the right thing, we can tell Him just this and ask Him to be at work in our hearts with His grace.

Now, this extreme inner ungrace lies far behind me. Yet there is something pervasive about it that penetrates even to the present. There is something that makes it strangely appealing: the sense that shame can somehow pay for and balance what I have done wrong or not well enough. I think this is why for me shame sometimes does not even refer to a specific action or failure, just the sense that it would be nice – yes, nice (?!) – to punish myself, to hurt myself in some way. As if it could cover up my shortcomings.

Genesis 3:8b (VOICE): The man and his wife took cover among the trees and hid from the Eternal God.

The truth is, I don’t have to take cover, not behind my shame or anywhere else, for it is not I who can make up for my imperfections. When I accept grace, I accept that I can’t make it right, I can’t make myself right – and that is still hard sometimes. It feels out of balance. The lie of shame, for me, is that I can create some kind of balance by feeling bad, that I deserve to feel bad and so if I do, I have paid a price that in reality only Jesus can pay.

Sometimes, the sense of shame still grows to such an intensity that it makes me feel like I am not allowed to exist, or rather, that I logically cannot exist. For example, I would call myself a reliable and diligent person, but still it can happen that I overlook something important, and then shame says, “So, you are someone who is thorough and reliable. Yet when you did this / forgot that, you were obviously not thorough. Therefore, you cannot BE, you cannot exist until you have somehow proven that you are reliable, after all.”

With the voice of shame drowning me with such “logical” reasoning, is it surprising that I keep trying to do things right…? Yet now I have a truth to hold up against this lie.

1 John 3:20 (NIV): If our hearts condemn us, we know that God is greater than our hearts, and he knows everything.

It doesn’t make the shame evaporate all of a sudden, but it removes me a bit from that feeling. And the big difference is that though shame may still arise, it is not the constant underlying tenor anymore.

(Image for the Bible verse: using a photo by Greg Rakozy on Unsplash)


Rückblick #13: Keine Verdammnis…?

Die Tage vor der Gnade

1. Korinther 15,10a (ELB): Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin; und seine Gnade mir gegenüber ist nicht vergeblich gewesen.

1. Korinther 15,10a Durch Gottes Gnade

Ein genialer Bibelvers! Er erzählt meine Geschichte mit Gott – universell, weil Gottes Gnade mit jedem, der bereit ist, sie anzunehmen, eine großartige Geschichte schreibt; und zugleich ganz persönlich und besonders, weil dieses „was ich bin“ so individuell und einzigartig ist.

Als ich Gottes Gnade in mein Herz und mein Leben einließ, begann ich, die zu werden, die ich wirklich bin – und ich entdecke immer noch neue Ebenen, sowohl der Gnade als auch des Ich-Seins. Ich bin wahrscheinlich nicht die Einzige, die in dieser sonderbaren und verrückten Zeit der Corona-Pandemie immer wieder Situationen erlebt, die nach einer Entscheidung für Gnade mit sich selber rufen, oder? So habe ich mich in letzter Zeit des Öfteren an meine erste Reise zur Gnade, damals vor anderthalb Jahren, zurückerinnert. Die Erkenntnisse und Erfahrungen, die ich von dieser Reise mitgenommen habe, sind ein wahrer Schatz für mich, und diesen Schatz möchte ich gerne mit dir teilen. Also begleite mich auf dieser Rückblick-Tour und nimm dir ein paar kostbare Perlen mit.

Der letzte Beitrag in der „Rückblick“-Reihe ist schon eine Weile her. Das war der letzte Stand: Obwohl ich damals zu der Schlussfolgerung gekommen war, dass ich Gottes Wahrheit zu meiner Wahrheit machen sollte und Seine Gnade annehmen sollte (ja, „sollte“, immer dieses „Sollen“), konnte ich es noch nicht. Ich hatte zu große Angst, denn ich hatte das Gefühl, wenn ich der Gnade Raum geben würde, dann würde alles zerbröckeln, das Innerste meines Seins würde einstürzen. Also sehnte ich mich weiter nach innerem Frieden, während ich gleichzeitig dagegen rebellierte, aus Angst, was dieser Frieden aus mir machen würde. Obwohl ich genau wusste, dass ich mich selbst schon verloren hatte, und zwar genau wegen dieser Härte, an der ich festhielt, konnte ich nicht anders, als mich mit aller Macht weiter an das, was sich nach dem Rest von mir anfühlte – wenigstens meine Erwartungen und Ansprüche an mich selbst –, zu klammern.

Aber Gott ist immer bereit, mit uns in einen Prozess zu gehen, und die folgenden Tage waren Tage der Vorbereitung. Ich wurde bombardiert mit Bibelversen über das besagte Thema und konnte Gottes Sicht auf Gnade – und auf mich – einfach nicht entkommen. Hier sind einige der Bibelverse, die meisten aus einer Predigt, die ich an jenem Sonntag hörte, und meine Gedanken dazu.

Aus meinem Gebetstagebuch am 4. November, 2018

Römer 1,7b (LUT): Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

–> Jesus, Du bist der „Friedefürst“ – nicht nur der Fürst des Friedens zwischen Menschen, und zwischen mir und Dir (das aber auch), sondern auch zwischen meinem Geist und meiner Seele, zwischen den zwiegespaltenen Teilen meiner selbst!

Römer 8,1-2 (LUT): So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.

–> Es ist anmaßend, mich selber zu verurteilen, wenn Du es nicht tust!

Römer 8,6 (NeÜ): Was die menschliche Natur will, bringt den Tod, was aber der Geist will, bringt Leben und Frieden.

Römer 8,15a (NeÜ): Der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch ja nicht wieder zu Sklaven, sodass ihr wie früher in Furcht leben müsstet. Nein, ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Kindern Gottes macht.

–> Durch diese Ungnade mit mir versklave ich mich selber, mache mich zu einem Sklaven der Angst (der Angst zu versagen, nicht zu genügen, …)

–> Die Härte mir selber gegenüber und die Unsicherheit gehören zusammen! Wenn ich nicht ungnädig mit mir bin, muss ich auch nicht unsicher sein. […] Ich sehe die Falschheit der Ungnade an ihren Folgen, nämlich der immensen inneren Unsicherheit.

–> Ich entscheide mich für Gnade mir selber gegenüber und für das Gegründetsein in Dir statt in meinem Richtigmachen von Dingen!

Aus meinem Gebetstagebuch am 6. November, 2018

Freiheit hängt zusammen mit Gnade und Frieden mit mir selber, nicht wahr? Wenn ich mich entscheide, eine gnädige Haltung mit selber gegenüber einzunehmen, dann schließe ich Frieden mit mir selber und beende den inneren Krieg, und als Folge bin ich frei von all dem inneren Druck, den inneren Regeln, den inneren Stimmen, die nur „du musst“ und „du darfst nicht“ sagen.

Gott war offensichtlich dabei, mein Herz auf Gnade vorzubereiten. Das ist das Erstaunlichste an Gottes Gnade: Selbst wenn die Ambivalenz in uns so groß ist, dass wir das Richtige nicht einmal wollen, können wir Ihm genau das sagen und Ihn bitten, mit Seiner Gnade an unseren Herzen zu wirken.

Jetzt liegt diese extreme innere Ungnade weit hinter mir. Dennoch hat sie etwas Durchdringendes an sich, das bis in die Gegenwart hineinsickert. Ja, sie hat etwas an sich, das seltsam attraktiv ist: das Gefühl, dass die Scham auf irgendeine Weise das, was ich falsch oder nicht gut genug mache, ausgleichen könnte, sozusagen dafür bezahlen könnte. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum die Scham sich bei mir nicht einmal immer auf ein bestimmtes Versagen bezieht, sondern einfach die vage Empfindung in mir ist, dass es schön – ja, schön (!?) – wäre, mich zu bestrafen, mir irgendwie weh zu tun. Als ob es meine Unzulänglichkeiten bedecken könnte.

1. Mose 3,8 (ELB): Da versteckten sich der Mensch und seine Frau vor dem Angesicht Gottes, des Herrn, mitten zwischen den Bäumen des Gartens.

Die Wahrheit ist, ich muss mich nicht verstecken, nicht hinter Scham und auch nicht irgendwas anderem, denn ich bin es nicht selber, die meine Unvollkommenheit ausgleichen kann. Wenn ich Gnade annehme, dann nehme ich an, dass ich es nicht richten kann, dass ich mich selber nicht richtig machen kann – und das ist oft immer noch schwierig. Es fühlt sich nach einem Ungleichgewicht an. Für mich ist die Lüge von Scham und Selbstschädigung, dass ich eine Art von Gleichgewicht kreieren kann, indem ich mich schuldig fühle – dass ich es verdiene, mich schuldig zu fühlen, und daher, wenn ich mich so fühle, den Preis selber bezahle, den in Wahrheit nur Jesus bezahlen kann.

Manchmal wächst das Schamgefühl immer noch zu solch einer Intensität an, dass ich das Gefühl habe, nicht existieren zu dürfen, oder vielmehr, dass ich aus logischer Sicht nicht existieren kann. Zum Beispiel würde ich mich selber als zuverlässige und sorgfältige Person bezeichnen, aber dennoch kann es passieren, dass ich etwas Wichtiges übersehe, und dann sagt die Scham: „Du bist also jemand, der gründlich und zuverlässig ist. Aber als du das getan hast / jenes vergessen hast, warst du offensichtlich nicht sorgfältig. Deswegen kannst du gar nicht SEIN, du kannst nicht existieren, bis du irgendwie bewiesen hast, dass du doch zuverlässig bist.“

Wenn die Stimme der Scham mich mit solchen „logischen“ Argumenten überschwemmt, ist es dann verwunderlich, dass ich ständig versuche, alles richtig zu machen…? Doch jetzt habe ich eine Wahrheit, die ich gegen diese Lüge hochhalten kann.

1. Johannes 3,20 (Zürcher Bibel): Denn auch wenn das Herz uns verurteilt: Gott ist größer als unser Herz und erkennt alles.

Das lässt die Scham nicht von jetzt auf gleich verschwinden, aber es entfernt mich ein bisschen von dem Gefühl. Und der große Unterschied ist, dass Scham zwar aufkommen mag, aber nicht mehr der durchgängige Grundtenor ist.

(Bild für den Bibelvers unter Benutzung eines Fotos von Greg Rakozy auf Unsplash)

Weiter Raum in Perspektive – WORTKUNST

Eine aktuelle Ergänzung

zu meinem Spoken-Word-Stück “Weiter Raum”

 

Von Freiheit, grenzenloser Weite

Von großem Raum, den ich beschreite

Von einem Land horizontloser Breite

Spreche ich gern, seit Gott mich befreite

Aber mal ehrlich und Spaß beiseite

Das klingt zwar erhaben und irgendwie nice

Allerdings liegt weiter Raum im Moment doch auf Eis

Enger Raum trifft es wohl eher

Selbst Horizonte wünschen wir uns jetzt her

Stattdessen sind wir hinter Fenstern verbannt

Nix Horizont – nur Wand, Wand, Wand, Wand

 

Wie war das eigentlich damals, als Jesus dort harrt

Tot, im Grab, der Körper erstarrt

Keine Ahnung, ob Er im Tod etwas fühlt

Vielleicht eng verschnürt und unterkühlt?

Spätestens dann beim Aufersteh’n

Ist es bestimmt ganz schön unbequem

Neues Leben im Körper, doch drumherum

Ist es noch eng und finster und stumm

Physisch noch tiefe Dunkelheit

Hingegen im Herzen schon Ewigkeit

Ja, im Herzen ist das Land schon weit

Der Tod ist schon besiegt, bevor der Engel spricht

Bevor die schwarze Dunkelheit weichen muss dem Licht

 

So dürfen auch wir den Blick statt auf äußere Schranken

Auf Gottes innere Weite richten und dafür danken

Diese Weite sprengt uns‘re Raum-Dimension

Liegt in Frieden, Freiheit, Zuversicht als Herzensposition

Im Ausstrecken, auch jetzt, nach deiner göttlichen Vision

Neu geschärft sogar, eine geschliffene Version

Diese Weite sprengt selbst das Format von Tagen und Wochen

Vielleicht bist du durch Jahre des Wartens zerbrochen

Oder hast dich vor drohenden Deadlines verkrochen

Ob eingeengt von Raum oder Zeit

Jesu neues Leben öffnet uns die Ewigkeit

Schon jetzt – die Frage ist, bin ich bereit

Seine Sicht zu adoptieren?

Lass ich Ihn in mir regieren?

Ich sage ja – mein Herz soll mit Seinem pulsieren

Und so kann ich neu die Erkenntnis von damals zitieren:

 

Erwartet hab ich neue Horizonte

Ein bisschen weniger scharf, leicht aufgeweicht

Und ein bisschen weiter weg vielleicht

Ein wenig näher an den Wolken, ein wenig weiter oben

Oder mindestens um ein paar Zentimeter verschoben

Doch Gott sprengt – wieder mal

Meine Vorstellungskraft, und zwar kolossal

Nicht ein neuer Horizont, der die Ferne nun verziert

Und ein paar Quadratmeter zu meinem Wirkraum addiert

Nicht ein neuer Horizont, sondern – gar keiner

Eine Grenze, die eigentlich nicht existiert

Der weite Raum streckt sich wahrhaftig ohne Grenze hin

Und ich, ich steh schon mittendrin

 

Weiter Raum II (1)

Weiter Raum II (2)

Weiter Raum II (3)

Weiter Raum II (4)

Weiter Raum II (5)

Weiter Raum in Perspektive || Perspectives On Wide Open Spaces

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Weiter Raum in Perspektive

Was ich nachfolgend teile, sind ein paar persönliche Gedanken und Erfahrungen mit dieser Zeit des eingeschränkten sozialen Kontakts aufgrund der Corona-Pandemie. Ich beschreibe meine vergleichsweise kleinen Kämpfe und was ich aus ihnen lerne, wohlwissend, dass gleichzeitig sehr echte sehr große Kämpfe gefochten werden, an den Frontlinien des Kampfs gegen das Virus ebenso wie für viele Menschen, die sehr viel mehr persönlichen Verlust und Leid erleben. Ich kann nur meinen Respekt an die zahlreichen Helden dieser Zeit signalisieren. Da diese großen Themen jedoch bereits an vielen Stellen in den Medien ausführlich behandelt werden und ich nichts weiter hinzufügen kann, tue ich das, was ich  kann: nämliche meine persönlichen Lernerfahrungen zu teilen. Ich hoffe, dass es dem einen oder anderen dabei hilft, seinen eigenen weiten Raum zu sehen, der durch die momentan notwendigen restriktiven Maßnahmen vielleicht verschleiert, aber nicht zerstört ist.

Römer 5,2 Aufrechten Hauptes.jpg

Vor einiger Zeit schrieb ich einen Poetry Slam zum Thema weiter Raum. Jetzt ist doch der perfekte Zeitpunkt, das Kapitel noch mal aufzuschlagen, oder…?

Klingt nach Ironie, aber ich meine es ernst. Denn obwohl Gott damals in einer Landschaft, die im wahrsten Sinne des Wortes als weiter Raum bezeichnet werden kann, zu mir sprach und den Funken für das Wortkunstwerk entfachte, gibt es eine noch weitere und tiefere Art des weiten Raums, die keinen räumlichen, ja, nicht einmal zeitlichen Einschränkungen unterliegt.

Das rufe ich mir in Erinnerung, während ich hier innerhalb der vier Wände meines Zimmers sitze, enttäuscht, dass ich hier nun auch einige Zeit bleiben muss (zumindest bis feststeht, ob eine Person, mit der ich in Kontakt war, mit dem Corona-Virus infiziert ist). Ich mag mein Zimmer und es fällt mir leicht, die Zeit zu füllen – aber. Aber – gestern war offiziell mein letzter voller Arbeitstag in meiner Kirche – und ich konnte nicht dort sein (immerhin konnte ich im Home Office tätig sein). Aber – heute sollte ich mit der Praktischen Tätigkeit anfangen, die zur Therapeutenausbildung dazugehört. Ehrlich gesagt dachte ich, ich hätte meine Lektion schon gelernt, hätte schon die Aspekte meiner Ausbildung und Arbeit an Gott abgegeben, die zu Götzen geworden waren, wenngleich sie im Kern Teil von Gottes Berufung für mich sind. Dieser Arbeitsplatz, an dem ich meine Praktische Tätigkeit absolvieren werde – der Zeitpunkt sowie der inhaltliche Schwerpunkt –, ist schon Plan D. Plan A, B und C habe ich schon losgelassen, wirklich losgelassen, ohne nachträglichen Groll und ohne noch an einem Rest festzuhalten. Ich habe mich von ganzem Herzen darauf gefreut, diese Arbeit auf „Stelle D“ zu beginnen – es ist mein neuer „Plan A“ geworden. Das alles, ist es nicht genug? Ich weiß, es wird nicht für immer aufgeschoben und es wird nicht die ganze Zeit dort ruinieren, aber dennoch, ich muss wieder loslassen, noch einmal.

Und es fühlt sich so an, als wäre der Raum, auf dem ich mich befinde, nicht weit und offen, sondern eher so, als würde er schrumpfen, kleiner und enger werden. Erst recht mit dieser neuen Einschränkung.

Erkenne ihn auf allen deinen Wegen, dann wird er deine Pfade gerade machen. (Sprüche 3,6 – Zürcher Bibel)

Das ist das Schwierigste: Gott und Seine Wege freiwillig zu „erkennen“ – anzuerkennen, anzunehmen. Ich habe zwar kaum eine andere Wahl, als den Weg zu gehen, aber es ist meine Entscheidung, das nicht widerwillig zu tun, sondern sogar mit Freude. Es ist nicht nur der Strich durch die Rechnung in meinem Zeitplan, der schwer zu verdauen ist, sondern auch das Gefühl, meiner Verantwortung nicht gerecht zu werden. Rational betrachtet ist mir klar, dass es unter diesen Umständen verantwortungsbewusster ist, zu Hause zu bleiben, aber es fühlt sich so an, als würde ich andere im Stich lassen und ihnen gegenüber versagen, indem ich meinen Job nicht tue.

Wobei. Ich sagte „das Schwierigste“ – das stimmt so nicht ganz. Es tut gerade weh und fühlt sich unglaublich schwierig an, aber andererseits war es so viel schwerer, meine Anorexie endgültig loszulassen. Verglichen damit ist das hier doch nicht ganz so schwer.

Nachdem ich nun also meinen eigenen Zeitplan mehrmals losgelassen habe ebenso wie die Fixierung auf einen bestimmten Bereich in der Psychologie, scheint es jetzt dran zu sein, die übergroße Bestrebung, meine Verantwortung auf Arbeit zu erfüllen, auch noch loszulassen. Natürlich ist Zuverlässigkeit an sich eine sehr lobenswerte Eigenschaft – aber wenn es zu einem Zwang wird, hört es auf, eine Tugend zu sein, und wird stattdessen etwas Einengendes, etwas, das mich unfrei macht.

Hier kommt der weite Raum ins Spiel. Es mag sich so anfühlen, als würde der Raum, auf dem ich mich befinde, schrumpfen und kleiner und enger werden. Aber die Wahrheit ist: Je mehr ich loslasse und Gott ranlasse, desto weiter wird der Raum. Egal, wie groß das Zimmer ist, in dem ich mich befinde, und egal, wie lange der Aufenthalt dauert.

04 Loslassen und Gott ranlassen für weiteren Raum

Lasst uns also diese Quarantänezeit, mit den Restriktionen, die sie für jeden persönlich mitbringt, nutzen, um unsere Lasten und Ketten aufzuspüren und loszulassen.

Lasst uns diese Zeit der Einschränkungen nutzen, um unsere Freiheit zu erweitern!

Lasst uns diese Zeit der Quarantäne nutzen, um den weiten Raum zu entdecken, den Gott in uns und um uns bereitet hat!

03 Einschränkungen nutzen um Freiheit zu erweitern-1

Ja, ich harre in meinem Zimmer aus – und bin dabei vollkommen überzeugt, dass weiter Raum da ist, hier und jetzt. So viel weiter Raum in meinem Leben. Und in meinem Herz.

Wieder einmal realisiere ich, wie damals, als ich den Poetry Slam schrieb: Streckt der weite Raum sich wirklich ohne Grenze hin – dann steh ich wohl schon mittendrin.

NACHTRAG: Die Lage wandelt sich momentan in immensem Tempo – während ich diesen Text zu Ende bringe, hat sich die Situation schon wieder geändert und ich kann morgen mit meiner Praktischen Tätigkeit beginnen, nur einen Tag später als geplant. Und fühle mich völlig unvorbereitet, weil ich den Kopf an tausend anderen Stellen hatte 😉 Also, es bleibt spannend, oder „dynamisch“, wie man zurzeit so schön sagt.

(Bilder unter Benutzung eines Fotos von Alexandre Chambon auf Unsplash [Mädchen am Fenster] und Mukesh Jain auf Unsplash [Landschaft])


Perspectives On Wide Open Spaces

These are some personal thoughts and experiences with this phase of restricted social contact due to the corona pandemic. I describe my comparably small struggles and what I have been learning from them, well aware that there are very real very big struggles going on all over the world, on the front lines of the fight against this virus, but also in form of so much more severe cases of personal loss and suffering. My respect goes out to the various heroes out there. However, much is being said about these big issues all over the media and I cannot add anything to it. So I do what I can do, which is share my personal learnings, and hope to help someone see their own wide open spaces that may have been veiled but not destroyed by the restrictive measures that are currently necessary.

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Quite a while ago, I wrote a piece of spoken word poetry on wide open spaces. Isn’t this the perfect time to open up that chapter again…?

It may sound ironic, but I’m serious. For even though God spoke to me and sparked that piece of poetry on a landscape that can literally be described as a wide open space, there is a far wider and more profound open space that is not confined to limits of space, or even time.

I am reminding myself of that as I am sitting here within the walls of my room, disappointed that I have to stay here for some time (at least until it is established if a person I was in contact with is infected with corona virus). I like my room and I am well able to fill my time – but. But – yesterday was technically my last full day working at my church – and I couldn’t be there (though at least I was able to work in home office). But – today I was supposed to start working at the practical position, which is part of my therapeutic training. To be honest, I thought I had already learned my lesson, had already surrendered the aspects of my education and work that, being in core part of the calling God has for me, had turned into idols. This work place – the time and focus of it – it’s literally plan D. I have surrendered plan A, B and C – truly surrendered them, without holding on to a rest and without holding a grudge. I was looking forward to beginning to work at “Plan D” with all my heart – it has become my new “Plan A.” All of that, is it not enough? I know, it won’t be postponed forever and it won’t ruin my whole time there, but still, I have to surrender yet again.

And it feels like the space I am in is not wide and open, but rather shrinking and closing in on me, growing tighter again with this new restriction.

[…] in all your ways submit to him, and he will make your paths straight. (Proverbs 3:6, NIV)

It’s the hardest thing right now to submit to God willingly. I basically have to submit, but it is my choice to do it not reluctantly, but, in fact, joyfully. It’s not just the time-related delay that is hard to swallow, but also the feeling that I am not living up to my responsibilities. Rationally, I know that the more responsible option under these circumstances is staying at home, yet it feels like I am failing people by not doing my job.

Wait. I said “the hardest thing” – that is not quite true. It hurts and feels hard right now, but then, it was so much harder to surrender my anorexia. Compared to that, this is not too hard, after all.

So, after having surrendered my own timing over and over again as well as the fixation on one particular field of psychology, it seems like now it is time to surrender the preoccupation with fulfilling my responsibility at work. Of course, reliability is a highly commendable thing – but when it turns into an obsession, it ceases to be a virtue and becomes a confinement instead, making me un-free.

Which is where the wide open spaces come into play. It may feel as though the space I am in is growing tighter and closing in on me. But the truth is: The more I “let go and let God,” the wider the space gets. No matter the size of the room I’m in, and no matter the duration of the stay.

02 Let go and let God for wider open spaces

So let’s use this time of quarantine – whatever restrictions it imposes on you personally – to detect and let go of our cargo and chains.

Let’s use this time of restrictions to enhance our freedom!

Let’s use this time of quarantine to discover the wide open space God has placed us in and in us!

01 Use restriction for freedom

So yes, I’m abiding within the walls of my room – yet I am fully convinced that wide open spaces are right here, right now. So much wide open space in my life. And in my heart.

Once again, I realize, as I did when first wrote that poem: Since God’s wide open space has no limit, I must be standing right in the middle of it already.

ADDITION: Things change with such pace at the moment – as I am finishing this text, the situation has changed again and I can start work tomorrow, just one day later than planned. Feeling completely unprepared because I had my mind in a thousand other places 😉 It remains exciting, or “dynamic,” as is the common phrase of this time.

(Images using a photo by Alexandre Chambon on Unsplash [girl sitting by a window] and Mukesh Jain auf Unsplash [landscape])